Danke Timmsche und Nat für eure Rückmeldungen 🙂

xoxo

-Eli


Kapitel 15


Grace schaffte es am Montag überpünktlich im Büro zu sein. Beschwingt von ihrem Telefonat mit ihrer Großmutter, rief sie bei den Wolves an, um einen Termin für ein Interview mit ihren drei Spielern zu machen und schaffte es sogar noch zur Kaffeemaschine, ehe Monica überhaupt einen Fuß ins Büro setzte.
„Grace, schläfst du in letzter Zeit eigentlich noch, oder wirst du jetzt eines dieser Karrierebiester, die mit drei Telefonen unterm Kopfkissen schlafen und ohne drei Kannen Kaffee nicht mehr funktionieren?“ Monica, die erst um kurz nach zehn in die Redaktion gesegelt kam und nicht nur einen neuen Haarschnitt hatte, sondern auch vollkommen erholt aussah, fixierte sie kritisch.
„Die Jungs halten mich auf Trapp.“ Grace umkreiste mit dem Finger großzügig ihre Notizen, die sie bereits abgetippt hatte. „Habe den ganzen gestrigen Tag mit meiner Großmutter telefoniert. Meine nächsten Projekte stehen schon fast.“
Ablenkung war immer noch die beste Möglichkeit mit dem Phantomschmerz klar zu kommen, den die Erinnerung an ihren Exfreund in ihr wachgerufen hatte. Schreiend in der Nacht aufzuwachen und zu glauben die Blutergüsse und angebrochenen Rippen zurückzuhaben, mit der Bettdecke zu ringen und schließlich auf dem Boden zu kullern, mit pochendem Herzen und schmerzenden Knien, war nichts, was sie irgend einem Menschen wünschte. Manchmal waren Träume eine verfluchte Folter und sie hoffte Monica würde nie erfahren, wie lange eine Nacht sein konnte wenn man Angst hatte wieder einzuschlafen.

 

 °°°

Dylan folgte Mr. Vasquez ins Zimmer von Clarence Channings, wo ein beeindruckendes Loch in der Fensterscheibe klaffte.
„Im Schuppen stehen noch ein paar Fenster. Sie müssten das hier ausmessen und ein passendes einsetzen.“
„Was ist passiert?“
„Oh, Clarence hat eine seiner alten Trophäen aus der College Zeit durch die Scheibe geworfen.“ Mr. Vasquez zuckte mit den Schultern, als sei das das normalste der Welt. „Eine der Pflegerinnen hat sie vergessen wegzuschließen.“
Dylan kratzte sich hinterm Ohr. Nicht mehr zu wissen, was man tat war wirklich eine beschissene Sache. Dagegen erschienen ihm die Probleme, mit denen er sich herumschlagen musste ziemlich mickrig.
„Wo ist der alte Mann?“
„Oh, Mrs. Goodwin ist mit ihm unten im Garten.“
„Goodwin?“
„Ja. Blanche Goodwin. Clarence war ein guter Freund ihres Mannes. Sie besucht ihn gerade.“ Mr. Vasquez Blick schweifte zurück auf das Klemmbrett, auf dem Dylans Aufgaben für den heutigen Tag standen. „Mrs. Fielding meinte, ihr Bild solle an einen anderen Platz und ich solle Sie darum bitten. Und danach-“
„Das Bild soll schon wieder an eine andere Stelle?“ Die alte Dame schien seine Kehrseite wirklich zu mögen.
„Ja. Schon wieder“, murmelte sein Betreuer ohne aufzusehen. „Danach müssten Sie in der Küche nach dem Wasserhahn sehen und das Regal im dritten Stock fertig bauen. Wenn Sie damit fertig sind, suchen wir Ihnen etwas anderes.“
Dylan nickte und ließ den gesetzten Herrn, der gerade seinen gesamten Vormittag verplant hatte, passieren.
Den Werkzeugkoffer, den er mit sich ins Zimmer geschleppt hatte, ließ er auf den kleinen Tisch neben den Fenster fallen und sah nach unten in den Garten, wo der Collegepokal einen Krater in die Rosenbüsche geschlagen hatte.
Wenn er später einmal in einem Altenheim landen würde und seine Pokale aus dem Fenster warf, hoffte er, dass sie wenigstens Neven MacDonald treffen würden und all die anderen miesen Reporterschweine. Nicht dass er vor hatte seine letzten Jahre in so einem muffigen Laden zu verbringen, aber sollte das Leben ihm weiter solche verrückten Weiber schicken, würde das mit der Familiengründung wohl nichts werden. Dann hätte er im Alter gar keine andere Wahl als sich entweder mit einer sehr heißen Pflegerin zu begnügen oder mit anderen senilen Rentnern zusammenzutun und darauf zu warten ins Gras zu beißen.
Er gab ein Seufzen von sich. Normalerweise dachte er über so deprimierende Dinge überhaupt nicht nach. Diese Sozialstunden schlugen ihm langsam aufs Gemüt. Es wurde Zeit, dass das Trainingslager endlich losging und er den Geruch von Tod und Alter wieder gegen zu aggressives Frauenparfum und den Duft von frisch gemähtem Gras eintauschte.

 °°°

Grace kam gerade aus ihrem morgendlichen Meeting mit Susan und dem Rest der Redaktion von Offstage, als das Telefon klingelte und Leonard Armeos Agent anrief, um den Termin für das Interview zu bestätigen. Kenännens und Clarkes Agenten ließen sich bis zum Abend Zeit, doch auch sie nahmen die Interviewanfragen an, sodass Grace am Montagabend drei Zusagen für Interviews in der Tasche hatte.

 

°°°

Dylans Arme waren bleischwer, als er kurz nach halb fünf aus endlich auf den Parkplatz des Altenheims trat und die schwülwarme Luft des Nachmittags seine Lungen füllte.
„Mr. Nite? Stopp! Halten Sie die Tür auf!“
Dylan erstarrte. Jemand hatte ihn erkannt. Das konnte nicht wahr sein.
Er drehte sich langsam herum, nur um die rotgefärbte Dame zu entdecken, die Grace begleitet hatte und die ihn schon einmal so seltsam angestiert hatte.
„Blanche Goodwin. Sie kennen meine Enkelin Grace.“
Natürlich. Die Großmutter. „Mh.“
„Danke sehr.“ Blanche schob sich hinter ihm durch die offene Tür. Sie hatte ein paar Kilo zu viel auf den Rippen und die roten Haare waren ein wenig zu exzentrisch für seinen Geschmack, aber sie hatte eine gewisse Grazie, die man nicht leugnen konnte.
„Macht Ihnen ihre Arbeit Spaß?“
Er räusperte sich. „Ja, M‘am.“
Blanche Goodwin nickte zufrieden. „Gut. Das ist gut. Wir können ein paar kräftige Männer brauchen, die hier mit anpacken können. Graces Onkel Clarence hält die Leute hier schon ganz alleine auf Trapp.“ Sie zog einen Fächer aus ihrer Handtasche und begann zu wedeln, kaum dass sie neben ihn getreten war. „Das wir den Quarterback der Wolves hier haben ist wirklich ein Glück.“
Ihre blauen Augen fanden seine durchgeschwitzten Schultern.
„Haben Sie ihre Enkelin auf mich gehetzt?“
„Hetzen würde ich das nicht nennen. Gracie hat sie gesucht. Ich habe nur geholfen.“ Ihre Papierdünne Haut, die sich sorgfältig mit Make-up bemalt hatte, kräuselte sich unter ihrem durchtriebenen Lächeln. „Ich bin der größte Fan der Wolves, müssen Sie wissen. Schon immer. Wenn ich meine Enkelin für eine von diesen Aasgeiern halten würde, hätte ich ihr nicht von ihnen erzählt.“ Sie hatte den Nerv ihm zuzuzwinkern, ehe sie in Richtung Crysler davon ging.


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