Hallo ihr Lieben, Mit diesem Kapitel sind wir wieder aktuell und morgen wird es das brandneue geben 🙂 Liebe Grüße   eure Eli


Kapitel 25


Dylan lehnte an der Wand und versuchte Erics Gedankengänge nachzuvollziehen. Soeben hatte er ihnen eröffnet, dass Donovan Row ihr Trainerteam ergänzen würde. Ein ehemaliger Quarterback, der für seinen übermäßigen Alkoholkonsum, Wutausbrüche und Eskapaden neben dem Spielfeld bekannt war, die für die Beteiligten häufig im Krankenhaus endeten.

„Jeder verdient eine zweite Chance“, ließ ihr Head Coach Phillippe Danton verlauten. „Ich will also keine dummen Sprüche hören, nur weil ihr glaubt, es besser zu wissen!“

„Ja, Sir“, murmelten seine Teamkollegen und er pflichtbewusst.

„Und noch etwas! Ich weiß ihr glaubt, dass hier sei das Ferienlager, dass ihr als kleine Jungs nie hattet, aber reißt euch zusammen! Dieses Kleinmädchengekicher bis morgens um drei hört auf! Oder was ihr auch sonst auf euren Zimmern treibt, das euch den Schlaf raubt. Der nächste, der unausgeschlafen zum Training auftaucht, den schmeiß ich vom Platz!“ Die Augen seines Trainers fanden ihn und er zwang sich zu einem Nicken. Er wusste selbst, dass er in den letzten beiden Tagen nicht auf der Höhe gewesen war.

*

Grace parkte ihren Wagen vor dem Haus ihrer Großmutter und zwang sich durchzuatmen. Jetzt war nicht der Zeitpunkt auszurasten, sondern höflich zu sein. Immerhin war gestern eine von Blanches besten Freundinnen gestorben. Sie musste ihren Zorn über ihre Indiskretion Dylan gegenüber hinunterschlucken.

Die Sonne knallte auf die Veranda des alten Holzhauses, während der Wind die Blätter in den Bäumen rauschen ließ und sie konnte ihren Puls ruhiger werden spüren. Ihre Großmutter hatte es immer nur gut mit ihr gemeint. Sicher gab es eine gute Erklärung. Vielleicht hatte Nite sie bedroht ihr alles über sie zu berichten. Als Strafe für ihre Erpressung.

Sie griff nach dem Blumenstrauß, den sie an der Tankstelle erworben hatte und entfernte die Manschette aus Zellophanfolie, in dem der kleine Sommerstrauß verkauft worden war, ehe sie ausstieg und das Auto hinter sich zuschnappen ließ.

Sie klingelte pflichtbewusst an der Haustür und wartete darauf, dass sie ihre Großmutter öffnete. Trotz ihres weißen Sommerkleids war ihr warm.

Blanche trug schwarz und ihre geröteten Augen verrieten ihr, dass sie geweint hatte. „Gracie.“

„Grandma.“ Sie umarmte sie fest.

„Ach, mein Mädchen. Meine Süße.“ Sie klopte ihr unbeholfen auf die Schulter. „Du hättest nicht herkomen müssen. Ich weiß doch, dass du arbeiten musst.“

„Ich hatte noch ein bisschen Urlaub. Und ich habe zur Zeit bei meinen Vorgesetzten ein paar Steine im Brett.“

„Ach Grace.“ Blanche gab ein Schluchzen von sich, ehe sie sie zur Tür herein schob. „Willst du einen Eistee mit Schuss?“

„Sehr gern.“ Sie hatte ohnehin nicht damit gerechnet heute wieder nach Hause zu fahren. „Was ist denn mit deiner Pflanze passiert?“

Grace nickte in Richtung des kleinen Zitronenbäumchens, das vor der Gästetoilette stand und dessen Blätter begannen sich gelb zu verfärben.

„Ich weiß es nicht.“ Blanche schnäuzte sich. „Vielleicht habe ich es überdüngt. Komm in die Küche, Kind und stell die Blumen ins Wasser.“

*

Grace rührte in Blanches Version eines Long Island Ice Tea, der zu viel Gin, zu viel Wodka, zu viel Tequila und definitiv zu viel Zucker abbekommen hatte und lauschte den Ausführungen Blanches über Annabelle Greens Leben und Sterben.

„Wir haben uns schon so oft von ihr verabschiedet. Vier Herzoperationen hat sie überstanden. Und jetzt hat sie eine Erkältung von der Klimaanlage dahingerafft.“

Grace nickte betreten. „Ich habe noch zehn Folgen von ihrer Telenovela, die ich ihr aufnehmen musste. Ich wollte sie ihr eigentlich heute vorbei bringen. Und nun ist’s zu spät. Zu spät.“ Blanche nahm einen kräftigen Schluck. „Ich kann das nie wieder überspielen.“ Sie griff sich ans Herz. „Geschweige denn ansehen.“

„Ach, Grandma.“ Sie tätschelte ihre Hand und schenkte ihrer Großmutter noch einmal nach.

„So betrunken war ich das letzte Mal, als Annabelle mir von den fürchterlichen Sachen erzählt hat, die Marcus dir angetan hat.“ Ihre Augen richteten sich plötzlich eindringlich auf sie und Grace schnappte nach Luft.

Die Karaffe mit dem Long Island Ice Tea krachte zurück auf den Küchentisch. „Was?“

„Annabelle. Sie kannte jeden. Von ihr wusste ich von dem Grund deines Krankenhausaufenthalts. Du hast ja nichts gesagt. Behauptet es wäre irgendein Besoffener gewesen. Ach, jetzt sieh mich nicht so an, Gracie!“ Blanche fuhr über ihre Wange. „Ich weiß, dass du mir keinen Kummer bereiten wolltest. Und ich habe so lange die Klappe gehalten.“

„Du hast es Nite erzählt.“

„Ja“, gab sie ohne Umschweife und ohne Zögern zu. „Ich weiß, es war nicht mein Platz. Aber du scheinst viel mit ihm zu tun zu haben. Und wir wissen beide, dass er dich an Marcus erinnert. Vor allem mit diesem Bart, den er da hat. Und du bist sehr hübsch. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er versucht bei dir zu landen. Ich habe gesehen, wie er dich damals auf dem Parkplatz angestiert hat.“

Grace schwirrte der Kopf, während Blanche sie frei gab. „Es tut mir leid, wenn ich dir damit Kummer bereitet habe. Ich habe es nur gut gemeint.“

„Grandma.“ Sie wollte Blanche glauben und tief in ihrem Inneren tat sie das auch, aber die Erinnerungen, die sich an die Oberfläche wühlten waren einfach zu schmerzhaft.

„Ich wollte nur helfen, Gracie. Genau wie Annabelle, als sie es mir erzählt hat.“ Und dann brach sie in Tränen aus, ebenso wie Grace.

*

„Ich wette Donovan rastet aus, noch bevor wir ein einziges Spiel hinter uns gebracht haben.“ Ilias schlug die Tür seines Spindes zu. „Wahrscheinlich bekommt es irgendein Pressefutzi ab.“ Er grinste, ehe er sich am Kopf kratzte.

„Vielleicht sollten wir Grace sagen, dass sie besser einem anderen den Vorrang lässt, um unseren neuen Trainerfuchs zu interviewen.“

„Gute Idee.“ Janne der neben ihm stand, nickte. „Wir schulden ihr zumindest das.“

Dylan stimmte den beiden voll und ganz zu. Grace sollte einen möglichst großen Bogen um diesen Typen machen. Aber nicht nur die. Einfach jeder ohne schwarzen Gürtel oder einem Titel als Schwergewichtsboxer sollte vor diesem Typen reiß aus nehmen.

Eric hatte den Arsch offen, diesem Kerl eine zweite Chance zu geben. Manche Typen waren bis in den Kern verdorben, egal wie oft sie das Ave Maria oder das Vater Unser herunter rasselten und Besserung gelobten.

„Dieser Kerl hat seinen Teamkollegen mit einem Baseballschläger ins Koma geprügelt, weil er ihn schief angeguckt hat. Ich schwör, ich mache drei Kreuze, wenn wir den wieder los sind“, mischte sich Jensen in ihr Gespräch ein. „Die können mir viel erzählen vom Entzug und Aggressionstraining.“

„Ihr seid solche Lästermäuler“, mischte sich Leonard, einer ihrer Rookies nun ein.

„Lästern ist, wenn man die Unwahrheit sagt. Tun wir aber nicht“, korrigerte ihn Janne und überprüfte den Sitz seiner Ohrstecker. „Bis später, Mädels.“

„Tschüss, Ballerina.“ Ilias schlug ihm mit seinem Handtuch auf den Arsch.

„Argh. Nimm wenigstens ein Trockenes, du Holzkopf“, beschwerte sich Janne, dessen Jeans einen Wasserfleck abbekommen hatte.


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