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Eliza Hill


Kapitel 12


Dylan kehrte an seinen Tisch zurück, nachdem Grace vor ihm geflüchtet war und auf dem ganzen Weg zurück zu seiner Begleitung, fragte er sich, was zum Teufel er so schlimmes getan hatte, dass sie vor ihm davon gerannt war.
Er hatte sie nur ein wenig ärgern wollen. Grace war das doch sicher gewohnt, so wie sie aussah. Außerdem, so wie sie mit seinem Boss getanzt hatte, bewies doch, dass sie alles andere als allergisch gegen Männer war.
Nur gegen ihn, wie es schien.
„Blöde Gans“, brummte Dylan. Wahrscheinlich war Grace so eine versnobte Tussi, die Männer nur in ihr Bett ließ wenn sie mindestens drei Abschlüsse von einem Elitecollege aufwiesen und ihr den Hof in drei Sprachen machen konnten.
Dylan zwang sich durchzuatmen. Das Grace ihn gerade stehen gelassen hatte und davon getaumelt war, als sei er ein Serienvergewaltiger, das war einfach nur seltsam. Sie war ein wenig seltsam. Das war alles und der Rest brauchte ihn auch nicht zu interessieren.
„Nite, wo hast du meine Frau gelassen?“, wollte Philippe von ihm wissen, als er es endlich zurück an ihren Tisch geschafft hatte.
„Tanzt mit Eric.“
Seine Begleitung lächelte ihm dümmlich entgegen. Sie würde ihm bestimmt nicht davonrennen.

 

°°°

Ed fand Grace erst eine gefühlte Ewigkeit später, noch immer am ganzen Leib zitternd und sie redete sich damit heraus etwas Falsches gegessen zu haben. Keine sonderlich gut durchdachte Ausrede, doch gut genug, um Ed verständnisvoll mit dem Kopf nicken zu lassen.
„Dass du nicht da warst, ist mir gar nicht aufgefallen. Ich war etwas abgelenkt.“ Er ließ sich neben sie auf die Stufen sinken.
„Schon gut.“ Grace war dankbar dafür gewesen in Ruhe gelassen zu werden. Selbst der Türsteher und die Valets hatten sie in Frieden gelassen. „Du hättest ja nichts dagegen tun können.“
„Ich hätte dich nach Hause fahren können.“
„Mh.“ Grace schob ihr Kinn gegen ihren Unterarm. „Du warst eben anderweitig beschäftigt. Geht da was?“
„Vielleicht. Sie hat mir ihre Nummer gegeben.“ Ed rieb sich an den roten Ohren.
„Das ist doch nett.“ Grace wünschte sich manchmal sie könnte auch all die harmlosen Flirts genießen, die sich an so einem Abend boten. Wenn all das mit Marcus nicht passiert wäre, vielleicht hätte sie Dylan Nites rüpelhafte Frage nach einem Tanz mit ihr amüsant gefunden. Vielleicht hätte sie ihm irgendetwas Schlagfertiges entgegnet und hätte nicht Probleme dabei gehabt überhaupt Luft zu bekommen.
„Wollen wir aufbrechen?“
„Von mir aus.“ Je eher sie nach Hause kam, desto eher könnte sie sich vielleicht mit ein paar Recherchen für ihre Artikel ablenken. Sie würde eine überdimensionale Pizza bestellen, mit doppelt Käse und dann würde die Welt schon wieder ganz anders aussehen.

°°°

Grace gab ein tiefes Seufzen von sich, als sie sich mit ihrer frisch gelieferten Pizza vor den Fernseher sinken ließ. Den Laptop neben sich auf die Polsterung gestellt und die Pizzaschachtel auf dem Schoß, war sie bereit sich das Interview mit Leonard Armeo anzusehen, das man nach den Drafts vor zwei Monaten mit ihm geführt hatte. Über ihn wollte sie ihren ersten Artikel schreiben. Nicht nur, weil er ihr am wenigstens furchterregend vorkam, sondern auch weil es ein guter Einstieg wäre für ihre Serie. Leonard war neu im großen Zirkus des Profi- Footballs. Ein Junge aus dem tiefen Süden, in dem Football so bedeutend war, wie die Luft zum Atmen. Leonard musste platzen vor Stolz und Träumen, wie alle Rookies und seine Begeisterung auf Papier zu bannen stellte Grace sich recht fruchtbar vor. Vielleicht erfand sie damit das Rad nicht neu, aber es war ein guter Start.
Ihre Begegnung mit Dylan verdrängte sie, als sie nach der Fernbedienung griff. Wenn sie es jetzt loslegte, würde sie Leonard sicherlich noch diese Woche interviewen können.

°°°

Dylan wusste nicht so genau, was ihn dazu bewogen hatte sein Fotoalbum hervorzuholen, nachdem es Begleitung gegangen war. Er hatte schon lange nicht mehr das Bedürfnis gehabt auf verblichene Fotos zu starren, die Leute von ihm geschossen hatten, deren Namen er längst wieder vergessen hatte. Er war kein einfaches Kind gewesen. Niemand hatte ihn haben wollen, ehe er gelernt hatte Football zu spielen.
Er zog das Bild seiner Mutter hervor. Zerknickt und verblichen wie es war. Sie war vielleicht die einzige gewesen, die ihn je geliebt hatte und er konnte sich überhaupt nicht mehr an sie erinnern. Alles was er noch hatte war dieses eine Foto, in dem das prägnanteste ihre Augen waren. Seine Augen.
„Vermiss dich“, murmelte er in seinen Bart, ehe er das Bild blinzelnd zurück ins Album schob und tief durchatmete. Er hatte die Vergangenheit hinter sich gelassen. Er war erwachsen. Er hatte bereits einen Super Bowl gewonnen, er konnte praktisch jede Frau haben die er wollte und er hatte schon jetzt mehr Geld verdient, als er jemals würde ausgeben können.
Er hatte ein gutes Leben. Es gab keinen Grund schlechte Laune zu haben.
Grace hatte einfach einen Klatscher. Das war alles.
Morgen früh würde er ins Fitnessstudio fahren und ein paar Stunden auf einen Boxsack einschlagen und sich dann weiter um das Abarbeiten seiner Sozialstunden kümmern.

°°°

Grace warf einen Blick auf ihre Armbanduhr, während sie ihren Toyota über die Umleitung in Richtung Fitnessstudio steuerte.
Die zweite Pizza gestern Abend war keine ihrer besten Ideen gewesen. Aber Dylan und Marcus aus ihrem Hirn zu kriegen war härter, als sie gedacht hatte.
Die Pizza hatte nicht geholfen. Nur zu Magenschmerzen geführt, mit denen sie die ganze Nacht wach gelegen hatte und sie hoffte, dass ein bisschen Sport zumindest gegen die Müdigkeit und die überflüssigen Kalorien half, die sie gestern in sich hinein gestopft hatte.
Sie schaffte es gerade noch bei orange über die nächste Ampel, indem sie ein wenig Gas gab und gab ein erleichtertes Seufzen von sich, als sie endlich das weißgrüne Schild des Fitnessstudios am Ende der Straße entdeckte.
Der Parkplatz der zum Sportcenter gehörte war bereits recht überfüllt und Grace dachte schon sie müsste sich abseits des Geländes einen Parklücke suchen, als hinter ihr ein hellblauer Mercedes aus der Parklücke rollte.
„Geht doch.“ Sie legte den Rückwärts Gang ein und ließ ihren Toyota zurückrollen. Sie war nie sonderlich begabt gewesen, was das rückwärts einparken anging, aber geradeaus zurück zu fahren, das traute sie sich gerade noch zu. Ein paar Mädels schlenderten hinter ihr über den Parkplatz und sie setze schon einmal vorsorglich den Blinker, während sie sie hinter ihrem Heck passieren ließ.
Sie wollte gerade wieder anfahren, als ein Porsche auf den Parkplatz schoss. Sie trat erschrocken auf die Bremse, als das schwarze Biest einfach in ihre Parklücke schoss, beinahe ihr Auto streifend.
„Das…“ Grace war schneller aus ihrem Auto gehechtet, als sie denken konnte und hielt auf den Porsche zu. „Haben Sie keine Augen im Kopf? Sie sind mir beinahe hinten drauf gefahren! Sie haben mich doch gesehen!“, wetterte sie und wollte gerade aufs Dach des Porsche schlagen, als die Fahrertür aufgerissen wurde.
„Sie-“ Grace erstarben die Worte auf den Lippen, als sich Dylan Nite vor ihr zu voller Körpergröße entfaltete.


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