Hallo ihr Lieben, Hier ist es also, das nächste Kapitel! Vielen Dank für eure Rückmeldungen Mo und Julia! <3

eure Eli


Kapitel 19


„Mr. Nite! Mr. Vasquez, kommen sie doch herein.“ Blanche Goodwin öffnete ihnen die Tür, kaum dass sie die Klingel betätigt hatten. „Die Sachen liegen auf dem Speicher. Kommen Sie, Kommen Sie!“

Dylan putzte sich die Schuhe an der Schuhmatte ab, ehe er eintrat. Es roch nach Yasmin und der Airconditioner sorgte für angenehm kühle Luft in dem heimlig eingerichten Haus.

„Ich habe frischen Eistee gemacht. Mr. Nite, Sie nehmen doch ein Glas?“

„Sicher.“ Dylan hatte nichts gegen eine Erfrischung. Draußen war es schon wieder viel zu warm.

„Mr. Vasquez?“

„Danke, nein Mrs. Goodwin. Hübsch haben Sie es hier.“

„Das sagen Sie jedes Mal.“ Blanche bedeutete ihnen im Wohnzimmer Platz zu nehmen, wo ein großer Strauß Bienenfreund auf dem Tisch stand. „Die sind von meinem Enkel Christopher. Hübsch nicht wahr?“

Dylan ließ sich auf das winzige Sofa fallen und räumte das kleine Kissen, dass in seinen Rücken drückte aus dem Weg, während er es Mr. Vasquez überließ Smalltalk zu machen. Hinter den großen Fenstern, die in Richtung Garten führten, konnte er eine ausladende Bank entdecken, die sehr viel bequemer schien als das Sitzmöbel auf dem er Platz gefunden hatte.

„Meine Enkelin Grace kennen sie ja bereits, Mr. Nite. Christopher ist ihr älterer Bruder und dann haben wir noch Tyler“, erörterte Blanche ihm und er nickte artig, während sie in Richtung Küche davon schwirrte.

„Sie kennen Grace?“, bemühte sich Mr. Vasquez um Konversation.

„Sie hat mich interviewt“, brummte Dylan.

„Und sehr gut, wie ich anfügen darf.“ Blanche kam mit einem vollgestellten Tablett wieder, auf dem sie eine Kanne Eistee, drei Gläser und einen Teller mit Sandwiches balancierte. „Die waren bei ihrem Job so begeistert von ihr, dass sie Mr. Nite und sein Team die ganze Saison begleiten darf. Die ganze Saison!“

Blanche war eine dieser Großmütter, die Dylan auch gerne gehabt hätte. Sie lobte ihre Enkel in den Himmel, bei jedem der es hören wollte oder auch nicht.

„Wissen Sie Mr. Nite, Dylan, wenn mein Mann noch leben würde, der würde jetzt einen Herzinfarkt bekommen. Der Quarterback der Wolves in unserer bescheidenen Hütte.“ Sie goss ihm ein Glas Eistee ein und reichte ihm einen Löffel dazu. „Nach Rezept der Hauses.“

„Danke.“ Dylan nahm das gutgefüllte Glas entgegen, in dem ein paar Zitronen und Limettenscheiben schwammen. Die Eiswürfel klirrten, als er es zum Mund führte und es nach dem ersten Schluck entsetzt abstellte. „Großer Gott.“

„Gut, nicht wahr?“ Blanche ließ sich neben ihm auf der Couch nieder, die alten Hände in den Schoß gelegt.

Gut war nicht das Adjektiv, mit dem Dylan dieses Getränk umschreiben würde. Süß, abartig süß, war es, was das Geschmackserlebnis dieses Gesöffs traf. Selbst eine Biene wäre augenblicklich an einem Zuckerschock gestorben, wenn sie davon probiert hätte.

„Ja“, log Dylan trotzdem, weil die blauen Augen von Grace Großmutter ihn mit solcher Intensität anstarrten, die schon beinahe körperlich weh tat. „Gut.“ Er gab vor noch einmal davon zu trinken.

„Ach, ist das schön. Zwei stattliche Männer unter meinem Dach und beide so höflich.“ Blanche klopfte ihm aufs Knie. „Sind Sie bereit für die neue Saison, Mr. Nite. Dylan.“

„Nennen Sie mich Dylan“, brummte er, weil Blanche Goodwin schon wieder so flehentlich anstierte. Die Ähnlichkeit mit ihrer verrückten Enkelin war weiß Gott vorhanden.

*

Die offizielle Einladung zum Promotionwochenende der Wolves Anfang August, die Susan ihr aushändigte, war laut ihrer Chefredakteurin die Chance tiefer im Privatleben der Footballer zu stochern, das im Trainingscamp erst einmal auf Eis gelegt war. Überhaupt wollte Susan ein wenig mehr Biss in ihren nächsten Stories haben. Mehr von der Sorte wie sie die Geschichte von Ilias und Janne geboten hatte, denn diese Geschichte, so wurde ihr versichert, war Gold wert. Die Rechte an dieser Geschichte hatte Susan bereits Landesweit verkaufen können.

Auf ihrem Weg zurück in ihr Büro, grüßten sie zwei Männer, die ihr bisher immer nur auf den Hintern gestarrt hatten mit Namen und sie war so verdutzt davon, dass sie beinahe in Ed gelaufen wäre, der in der Tür der Teeküche gewartet hatte.

„Gracie, du Göttin des Football. Ich hab‘ gehört, du hast eine Einladung bekommen.“

„Ja.“

„Brauchst du einen Begleiter?“

„Nein. Brauche ich nicht. Ist eine Einzelkarte.“

„Achso.“ Ed klang enttäuscht. „Hätte ja sein können.“

„Tut mir leid. Aber wie läuft’s denn mit deiner Cheerleaderin?“

„Oh, sie hat mich abgeschossen. Sie sagt ich sei ihr zu klug.“ Ed rieb sich über die Nase. „Weiß nicht, was ich davon halten soll. Glaube ohne Alkohol im Blut fand sie mich nicht mehr so zum Anbeißen.“

Grace klopfte Ed auf die Schultern. „An dir ist nichts falsch, Ed. Gar nichts.“

Er überwand sich zu einem Lächeln. „Naja, jetzt habe ich mehr Zeit mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Ist auch nötig, nun da du dich anschickst dich zur Sportreporterin aufzuschwingen.“

„Daran bist du ganz alleine Schuld.“

„Im Grunde genommen das Baby.“ Ed schob sich seine Brille zurecht. „Hätte ich mal lieber über diese Hochzeit berichtet.“

Grace nickte. „Hättest du wohl besser.“ Dann wäre ihr auch ihre Begegnung mit Dylan Nite erspart geblieben, der Schuld daran war, dass Marcus noch immer in ihren Gedanken herum spukte.

Die anderen Spieler hatten nicht diese pure Panik in ihr hochkochen lassen.  In Jannes, Leonards und Ilias Gegenwart war ihr nur am Anfang etwas mulmig zu Mute gewesen, aber dieses Gefühl hatte sich schon bald gelegt.

Es lag an Dylans Eisaugen, da war sie sich sicher. Diese Augen waren der Trigger, der dazu geführt hatte, dass sie sich in seiner Gegenwart so hilflos gefühlt hatte.

*

Dylan hatte den Rest seines Eistees in den Blumenkübel neben der Toilette gegossen, ehe er auf den Speicher hinauf geklettert war, um nach den Lampions und Lichterketten zu suchen.

Blanche hatte selbst auf dem Dachboden Ordnung gehalten. Kein Körnchen Staub war zu sehen und die Kisten in den Regalen sorgfältig beschriftet. Die Bilder auf der alten Anrichte zu seiner linken waren ebenfalls sorgfältig aufgestellt und Dylan riskierte einen Blick darauf, als er in die nächste Regalreihe abbog. Grace in verschiedenen Alterstufen, manchmal mit einer Frau neben sich, die ohne Zweifel ihre Mutter war, mal mit zwei grinsenden Jungs oder Männern, die nur ihre Brüder sein konnten.

Sie waren eine hübsche Familie, das musste man ihnen lassen. Alle dunkelhaarig mit diesen olivfarbenen Augen. Blanche fiel in dieser Hinsicht total aus dem Familienbild.

Dylan blieb stehen, als er Grace neben einem Kerl entdeckte, den er im ersten Augenblick für sich selbst hielt. Blond und hochgewachsen hatte er einen Arm um Grace geschlungen, die fröhlich in die Kamera lächelte. In ihrem gepunkteten Sommerkleid und mit seinem gestreiften Poloshirt hätten sie Werbung für irgendetwas total kitschiges machen können. Einen Pärchenurlaub, oder so.

Je länger er in das Gesicht des Typen sah, desto weniger Ähnlichkeit erkannte er zwischen ihnen beiden. Die Nase, das Kinn, das Haar, alles war anders. Alles bis auf ihre Augenfarbe und die Tatsache, dass sie ziemlich groß waren und auch der Kerl durchaus Muskeln besaß.

„Oh, stellen Sie das weg, Dylan! Dieser grässliche Kerl. Wieso ich dieses Bild noch habe, weiß ich selbst nicht.“

Dylan, der ertappt zusammengezuckt war, tat wie ihm geheißen wurde. „Ist ein schönes Bild.“

„Hm.“ Blanche trat neben ihn. „Das Bild kann so schön sein wie es will. Dieser unsägliche Kerl hat meine Grace ins Krankenhaus geprügelt. Zwei Wochen lag sie da. Glaubt bis heute, ich wisse nicht, wer das getan hat. Aber ich weiß es, oh ich weiß es!“ Sie klopfte auf Dylans Arm. „Einsperren sollte man ihn. Gracie gibt’s zwar nicht zu, aber seit diesem Mann hat sie keinen mehr an sich ran gelassen. Wenn sie als alte Jungfer endet, dann ist es ganz allein seine Schuld. So eine Verschwendung. Gucken Sie sich die Kleine an. Sie kann doch jeden haben!“

Dylan war schlecht. Er war ein mieses Arschloch. Ein selbstverliebtes, mieses Arschloch. Grace hatte Angst vor ihm gehabt. Er hatte es gesehen und ignoriert. Beleidigt war er gewesen, weil sie nicht in sein Bett gefallen war und weil sie eine Reporterin war.

„Kacke“, entkam es ihm zähneknirschend.

„Sie sprechen mir aus der Seele.“ Blanche wischte über Graces lachendes Gesicht und Dylan schluckte hart. Grace war damals auf dem Parkplatz praktisch rückwärts gesprungen, als sie ihn erkannte und er hatte sie als Hypochonderin beschimpft.

„Dylan, jetzt gucken Sie nicht so finster, da wird einem ja Angst und Bange.“ Blanche  sah zu ihm auf. „Sie sind so ein gutaussehender Mann, wenn sie nur endlich diesen Bart abrasieren würden.“

„Ich bin inkognito, Mrs. Goodwin.“

„Ich weiß, ich weiß. Aber blonden Männern steht nun mal kein Bart.“ Sie gab ihm einen Knuff in die Seite. „Meine Lampions sind da ganz oben, wenn Christopher und Tyler hier nichts verstellt haben.“


 

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