Kapitel 10


„Also ich sage es euch ganz offen. Wenn ich einen von euch dabei erwische wie er Internes ausplaudert, sorge ich dafür, dass derjenige nächste Saison auf der Bank zubringen wird.“ Head Coach Philippe Danton blickte strafend in die Runde, die sich an diesem Samstagabend auf der Charity-Veranstaltung für benachteiligte Kinder eingefunden hatte, die das Team jedes Jahr veranstaltete.
„Mh.“
„Ich habe keine Lust, dass einer von euch Diven Blödsinn erzählt, nur weil er einen Stich bei einer kleinen Reporterin landen will. Damit meine ich vor allem dich, Clint! Kein Gebrabbel über andere Teamkameraden! Wenn du ein Problem hast regelst du das mit uns!“
„Ja, Sir.“ Clint Tucker, zweihundert Pfund schwerer Linebacker und größte Plaudertasche der Wolves begegnete dem tadelnden Blick seines Head Couch trotzig. Seine verbalen Ausfälle in der letzten Saison gegen seinen größten Konkurrenten Jaimie Daniells hatte ihr Team letztes Jahr tief in die Schlagzeilen geritten.
„Das gilt auch für dich, Nite. Nachdem du deine Eloquenz bei dieser Reporterin scheinbar gar nicht mehr zügeln kannst“, wurde Dylan von seinem Head Coach angeraunzt. Noch nie wurde ihm vorgeworfen, er würde zu viel reden. Das genaue Gegenteil war meist der Fall, doch Philippe Danton war groß darin den Teufel an die Wand zu malen. Lieber stutzte er sein Team einmal zu viel zurecht, als zu wenig.
Dabei nahm er auch keine Rücksicht darauf, dass die Spieler sich  außerhalb der regulären Saison befanden und privat hier waren, viele sogar mit ihren Frauen oder Freundinnen.
„Wenn Sie drauf bestehen, Coach, dann werde ich mich ab jetzt wieder unmöglich aufführen.“ Dylan legte einen Arm auf die Stuhllehne seiner Begleitung. „Ist überhaupt kein Problem.“
„Ich meine das Todernst, Dylan! Versuch nicht witzig zu sein.“
„Ja.“
Seinen alten Coach auf hundertachtzig zu bringen, war vielleicht nicht die Klügste aller Ideen, in Anbetracht der Tatsache, dass er ohnehin schon einen Zorn auf ihn hatte, wegen der Sache mit MacDonald.
„Gut. Dann wäre das ja geklärt.“ Philippe musterte ihn über das sperrige Grün auf dem runden Tisch und Dylan fühlte sich unter seinem Designeranzug wieder wie dreizehn und nicht wie einunddreißig.
„Mh.“ Er zuckte mit den Schultern und versuchte das Gefühl des Unwohlseins zu vertreiben, das ihn immer überkam, wenn er  von dem Alten zusammengestaucht wurde. Er wollte sein Team nicht enttäuschen und das hatte er bisher auch fast nie.
Dylans Begleitung lehnte sich gegen seinen Arm. Ihr langes, gefärbtes Blondhaar fiel weich über ihre Schultern und sie warf ihm einen besänftigenden Seitenblick zu, der versprach, dass sie seine Qual nachher im Bett lindern würde.
Er wollte sich gerade Jensen zuwenden, der neben ihm in seinem Salat stocherte, als er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm. Dylan brauchte einen Augenblick, um sie zu erkennen. Sie trug ihr Haar wie ein teures Kleid. Schimmernd und spektakulär geschwungen fiel es weit über ihren Rücken, das olivfarbene Kleid zeichnete ihre Sanduhrfigur nach und betonte ihre sonnengeküsste Haut.
Clint ließ ein leises Pfeifen hören, während Dylan ihren Anblick in sich aufzog.
Sie war einfach abartig heiß, diese kleine Reporterin.
„Donnerwetter. Das nenne ich eine Bombe.“
Jensen sah auf und Dylan konnte es in den Augen seines besten Kumpels glitzern sehen. „Miau!“
Jensen Pupillen wanderten über ihre Kurven und Dylan räusperte sich schließlich amüsiert grinsend, als Jensen bei ihrem Hintern angekommen war. „Das ist sie. Die Reporterin. Grace.“
„Das … scheiße.“ Jensen lockerte seine Krawatte ein wenig, ob der Neuigkeiten.
„Jepp.“ Dylan atmete tief durch. Er war also nicht der einzige, bei dem sie das Bedürfnis wachrief sie direkt in die Kissen zu zerren.
„Das ist die Reporterin?“ Clint sog seine Unterlippe zwischen die Zähne. „Mannomann. Die ist echt heiß.“
Clints Freundin gab ein Schnauben von sich. „Dankeschön, Schatz.“
„Ist doch so … aber was hat sie denn da für einen Vogel dabei?“
Dylan ließ seinen Blick  Clints Finger folgen, der irgendwo neben Grace deutete, nur um verdutzt die Stirn zu runzeln.
Der Typ war ja lachhaft. Nicht Grace Kragenweite. Ein blasses Bübchen in zu großen Klamotten und Streberbrille. Das staubfarbene Haar und die blasse Gesichtsfarbe taten ihr Übriges, um ihren Begleiter zu entstellen.
„Man kann nur hoffen, dass er Geld hat“, gab er amüsiert von sich.
„Ist der nicht einer der Reporter von Daedalus?“, stellte Jensen neben ihm fest.
Dylan kniff die Augen zusammen. Auf den zweiten Blick hatte der Kerl etwas Schmieriges an sich. Wieso war ihm das nicht gleich aufgefallen?

 

°°°

Grace krallte sich an Eds Arm fest. Sie hatte nicht auf diese Charity- Veranstaltung gehen wollen, doch da sie extra von den Wolves eingeladen worden war, blieb ihr nichts anderes übrig, als die Einladung anzunehmen.
„Wow! Die haben ja echt keine Kosten und Mühen gescheut“, murmelte Ed, der sich fasziniert in der großen Halle umsah in der das Event stattfand.
Ed zu fragen ob er sie begleitete war ihr nicht schwer gefallen. Sie mochte Ed und er hatte ihr den ganzen Mist eingebrockt. Es war also nur fair, dass er sie an diesem Abend begleitete.
„An welchem Tisch sitzen wir?“
„Vierunddreißig.“ Grace ließ ihren Blick durch den Raum wandern. Seit ihrem Besuch bei den Rookies konnte sie wieder etwas ruhiger schlafen, doch sie hatte trotzdem einen Haufen Conciler verwenden müssen, um ihre Augenringe abzudecken. „Ich glaube da hin…“
Ihr Magen fiel fünf Stockwerke tiefer, als sie Dylan Nites Eisaugen begegnete.
„Was ist denn?“, hakte Ed nach, während Grace neben ihm gefror.
„Nichts.“  Grace schaffte es sich aus dem Blickduell mit Dylan zu befreien und zog Ed mit sich. Da hinten waren noch ein paar Plätze frei und sie waren außer Sichtweite von Dylan Nite.

 

°°°

Dylan fühlte sich ein klein wenig veräppelt, als Grace einfach Reiß aus nahm. Hatte er sie gebissen, oder so? Er war doch höflich gewesen. Er war sogar verdammt höflich gewesen, obwohl Grace ihn verdammt nochmal erpresst hatte.
Er hätte allen Grund davon zu stürzen. Nicht anders herum.
„Dylan? Was hast du ihr getan?“ Jensen rammte ihm seinen Ellbogen in die Seite.
„Ich schwöre. Ich hab‘ keine Ahnung.“


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