Hallo ihr Lieben, Hier ist es also, das nächste Kapitel! Vielen Dank für eure Rückmeldungen Marlen, Hilaja, Sphia, myfelix, Sara, Baka, Carina, Artslove, Naomi,, Maria-Elisa und Michelle <3 Liebe Grüße

eure Eli


Kapitel 27



Dylan beobachtete Graces Hände, die sich in einander verflochten, als Jensen im Schlaf weiter in ihre Richtung rutschte. „Wollen Sie an den Rand?“
„Nein.“ Sie schüttelte energisch den Kopf. „Wieso sollte ich das wollen?“ In ihren olivfarbenen Augen stand etwas, das nicht recht mit ihren nervösen Fingern zusammenpassen wollte. Missfallen. Missfallen darüber, dass er sie offenbar nicht mehr für voll nahm.
„War nur ein Angebot. Wenn Sie mit Jensen kuscheln wollen, werde ich Ihnen nicht im Weg stehen.“ Mehr als es ihr anzubieten, konnte er nicht.
„Danke.“ Sie brachte ein Lächeln zu Stande, das er ihr beinahe abgenommen hätte. „Sehr freundlich.“
Dylan ließ seine Musik verstummen, die ihn die letzten drei Stunden seines Flugs begleitet hatte. „Sagen Sie mal Grace, gibt es eigentlich noch mehr Männer, die sie nicht mögen, aber zu denen sie gerannt kommen, sobald sie sich fürchten?“, konnte er sich die Frage nicht verkneifen.
Sie zog eine Augenbraue nach oben. „ Bitte?“
„Sie haben mich schon verstanden.“
„Dank Blanche sind Sie der einzige, der weiß, was passiert ist.“ Sie schlug die Beine übereinander. „Und neben Ihnen war ein Platz frei.“

*

Grace gab ein erleichtertes Seufzen von sich, als die Maschine aufsetzte. Fliegen war nie ihr bevorzugtes Fortbewegungsmittel gewesen und Dylan Nites Gegenwart war zwar sehr viel erträglicher, als die ihres vorherigen Sitznachbarn, allerdings war sie von den ständigen Seitenblicken des Quarterbacks zunehmend irritiert und von seinen besorgten Nachfragen. Beinahe so, als ob es ihn tatsächlich interessieren würde, was mit ihr los war.
„Haben Sie etwas über ihrem Sitz gebunkert?“
Grace schaffte es zu nicken. Ihre Tasche hatte sie nicht mit zu ihm nach hinten genommen, bei ihrer Flucht vor James Sinclair. „Nur meine Handtasche. Wieso?“
„Weil wir gleich als erstes raus müssen in unseren Mannschaftsbus. Sie und Ihre Kollegen müssen eigentlich warten.“ Dylan schob seine Kopfhörer zu recht. „Aber wenn Sie darauf bestehen, kann ich sie gleich mit raus nehmen.“
Grace war nicht sicher, woher seine Höflichkeit rührte, aber sie fürchtete fast, dass es Sorge war. Und das war seltsamerweise etwas, das sie nicht an ihm sehen wollte. Sie war keine fünf mehr. Sie mochte zwar zuweilen ein paar ernsthafte Probleme mit dem anderen Geschlecht haben, doch sie hielt es aus ein paar Minuten auf Auslass zu warten. Sie hatte keine Sozialphobie. „Es geht schon, danke.“
„Gut.“ Er nahm ihre Armlehne in Anspruch, während der Flieger langsam in Richtung der Gates rollte.

*

Dylan war kurz davor seinen Kopf gegen die Lehne des Sitzes vor ihm zu schlagen. Er hatte den Verstand verloren. Er war nicht Grace Goodwins Beschützer. Sie war keine Jungfrau in Nöten, die darauf wartete, dass er sie rettete. Sie war Reporterin. Sie konnte sich wehren. Blanche Goodwin hatte nur ganze Arbeit geleistet mit ihrem Gerede von ihrem Exfreund. Jensen, der schon seit ein paar Minuten wieder wach war, fixierte ihn mit einem verständnislosen Blick, der ihm verriet, dass er sich hier zum Affen machte.
„Interviewen sie eigentlich wieder jemanden aus unserem Team, hier unten in Dallas?“, machte Jensen da auch schon seinem Gerede ein Ende.
„Ja. Eric Hayden.“ Grace schob sich eine Strähne hinters Ohr. „Er hat sich auch angeboten, mich ein wenig in den wilden Ligaalltag einzuführen, weil ich keine Ahnung davon habe.“
„Oh, hat er das?“ Jensens Schnauben ließ wenig Raum für seine Interpretation von Erics Angebot.
Doch Grace schien sich ob seiner Unterstellung nicht zu schämen. Im Gegenteil. „Wenn sie darauf bestehen, kann ich Sie auch gern zum Ligaalltag interviewen.“
„Ich habe nicht viel zu erzählen. Dylan ist der, der meist Scheiße anstellt.“
„Tatsächlich? Inwiefern?“
„Ab und an verprügelt er Paparazzi oder legt sich mit Medienvertretern an und wenn das noch nicht reicht, nimmt er mal wieder ein oder zwei Mädels zu viel mit aufs Zimmer“, witzelte Jensen und Graces olivfarbenen Augen schweiften zu Dylan. „Diese Gerüchte habe ich auch schon gehört.“ Sie lächelte ein wenig zu unbefangen für seinen Geschmack.
„Mr. Nites Ruf wird ihm ganz und gar nicht gerecht. Er ist viel schlimmer.“ Jensen zwinkerte ihr zu. „Ich hingegen bin ein Waisenknabe.“
„Da bin ich mir sicher.“ Ihre Finger blieben still. „Aber dieses Wochenende brauche ich weniger Klatsch und Tratsch als vielmehr jemanden mit einem Plan von Football, denn ich habe zugegebener Maßen keinen.“
„Sie sind wirklich ein Knaller, Grace. Keine Ahnung von Football.“ Jensen schob die Ärmel seines Trainingsanzugs nach oben. „Vielleicht besuche ich Sie und Eric doch mal.“
„Tun Sie das.“ Grace stand auf und für einen Moment war Dylan überfordert, ehe er begriff, dass der Flieger zum Stehen gekommen war und seine Kollegen ebenfalls auf die Füße kamen. „Danke für das Asyl. Wenn ich Sie beide vor dem Spiel am Montag nicht mehr sehe, dann-“
„Oh, sie sehen uns nochmal“, unterbrach Jensen sie. „Das Wochenende ist lang.“

*

Grace schob sich an Dylan vorbei, den Gang entlang zu ihrem eigentlichen Sitzplatz, wo James Sinclair noch immer über ihre Armlehne und ihren Fußraum residierte.
„Na, kleinen Quickie mit dem Quarterback eingelegt?“ Grace war für einen Moment sprachlos, bevor seine Worte bis in ihre letzte Gehirnwindung vorgedrungen. Dieser Mann hatte tatsächlich den Nerv, sie wegen ihres höflichen Rückzugs nach hinten, nun von der Seite anzumachen.
„Im Gegensatz zu Ihnen war Mr. Nite ein Gentleman und hat mir weder in den Ausschnitt gestarrt, noch mich von meinem Platz geworfen. Also halten Sie bitte einfach ihren Mund.“ Normalerweise war Grace niemand, der jemanden auf seine fehlenden Manieren hinwies. Doch Mr. James Sinclair hatte dem Fass soeben den Boden ausgeschlagen. Sie hätte noch mehr gesagt, wenn ihr angeblicher Quickie nicht gerade breit grinsend passieren hätte und sie musste keine Hellseherin sein, um zu wissen, dass er ihre Entgleisung gegenüber Mr. Sinclair gehört hatte.
„Bis später Miss Goodwin“, ließ Jensen vernehmen, während sie noch mit Dylan Nites breiter Rückenansicht beschäftigt war.


 *Fortsetzung folgt*